Think Twice – Warum Du lieber einmal mehr überlegen solltest bevor Du handelst! 1/5

Gastbeitrag von Julia Schart

Teil 1: Die Sache mit dem ‘Gruppenzwang’

Wenn der Mensch bedenkt, dass er denkt. Denkt er dann tatsächlich auch, dass sein Denken und im Weiteren Sinne sein Handeln denkbar denkwürdige Einflüsse auf das Denken und Handeln seiner Mitmenschen auslösen könnte? Ich denke schon, wenn Sie mich fragen, meine Damen und Herren!

Genau mit dieser Art von Thematik, nämlich mit potentiellen Denkmustern oder Denkfehlern der Masse habe ich mich kürzlich beschäftigt und mich gefragt wie und wo man diese im praktischen Alltag von Physiotherapie oder Fitnesstraining wiederfindet. Wie man diese erkennt, sich darüber bewusst werden kann und vielleicht sogar absichtlich darauf verzichtet. Schließlich gibt es doch nichts langweiligeres als immer nur der Masse und den ‘ausgetrampelten (Denk)pfaden’ unserer Zeit nachzulaufen!

Es war einmal ein „Social Proof“ (Dobelli, 2018)

Vor tausenden von Jahren als sich der Neandertaler noch aktiv aus der Höhle begeben musste, um sein perfektes Dinner vorzubereiten, war der ‘Herdentrieb’ (aka ‘Social Proof’) noch ein essentielles Verhaltensmuster, um wieder mit Haut und Haar und allen Extremitäten zuhause in der Villa Steinbau anzukommen. Erblickte demnach einer der Jäger während eines Streifzuges plötzlich ein Mammut nahm er seine Beine in die Hand und eilte vom Tatort. Jeder der am Ort des Geschehens noch ein Selfie gemacht hätte, wäre somit gnadenlos von dem, mehr oder weniger niedlichem, Wildtier aufgespießt und zerfetzt worden.

Übertragen auf unsere Hood der Neuzeit heißt dies: Wenn einer aus dem Fenster springt, springen alle hinterher. Denn derjenige, der voraus springt wird schon wissen was er tut! Und je mehr sich in die Tiefe stürzen, desto mehr folgen mutig der Masse!

Können wir unschuldigen, gebildeten, evolutionären Menschen von Heute also gar nichts für dieses Verhalten? Oder warum fühlt sich fast jeder Therapeut nach seiner Ausbildung gezwungen den vermeintlich fest verankerten Katalog an prädisponierten Fortbildungen fein säuberlich abzuarbeiten – angefangen von MLD, KGG, PNF bis hin zur hoch vergötterten ‘Manuellen Therapie’.

Natürlich gibt es für den ein oder anderen plausible Gründe dies mit Sinn und Verstand zu durchlaufen, wie beispielsweise die eigene Praxis im Nacken, eine süße Gehaltssteigerung für den angestellten Therapeuten oder vielleicht das Bedürfnis den Lebenslauf nett aufzupimpen. Wie es sich dabei hingegen mit dem Kosten-Nutzen-Faktor verhält steht wieder auf einem anderen Blatt Papier. Solange für einen selbst die offenkundige Antwort, warum man etwas tut, klar ist, spricht doch nichts dagegen die Fortbildungsindustrie kräftig zu unterstützen.

Schade ist es nur immer dann, wenn junge Menschen den Bezug zu sich selbst verlieren und Dinge tun, hinter denen sie vielleicht nicht zu 100% stehen können oder wollen. Die Bandbreite der fadenscheinigen Fitness-, Ernährungs- und Therapieansätze kennt ja bekanntlich keine Grenzen. Sobald ein selbsternannter ‘Guru’ ein praktisch umsetzbares Behandlungsmodell in die Welt setzt besteht bereits die Gefahr, dass sich tausende Anhänger an dessen Fersen heften und Worthülsen über ‘verklebtes’ Gewebe, ‘ausgerenkte’ Wirbel und ‘herausgesprungene’ Bandscheiben etc. ebenso frei und unbefangen in Gegenwart ihrer Klienten verkünden. Vermutlich trauen sich viele Berufsanfänger dem gar nichts entgegenzusetzen, da sie logischerweise keine bessere Argumentationsgrundlage besitzen als die mitreißenden Wogen landläufiger Meinungen, die von allen Seiten auf sie einprasseln (Asch, 1951).

Der Schriftsteller William Somerset Maugham sagte mal: „Wenn 50 Millionen Menschen eine Dummheit behaupten, wird sie deswegen nicht zu Wahrheit.“

Grundsätzlich entscheidet sowieso immer jeder für sich selbst was er nun als ‘Wahrheit’ anerkennen möchte oder nicht. Meine Wahrheit des Tages lautet: Wasser kocht bei 100° Celsius. Wer’s mir nicht glaubt, probiert es selbst aus! 🙂

 

Literatur:

Asch, S.E. (1951). Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgement. In       H. Guetzkow (Hrsg.), Groups, leadership and men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press.

Dobelli, R. (2018). Die Kunst des klaren Denkens.München: dtv.

 

Julia Schart ist Physiotherapeutin BSc. aus Bayern. 

Sie beschäftigt sich neben der Physiotherapie mit Journalismus, Motivation, Fitness, sowie Marketing. kontaktiert sie gerne unter flowmotionsportsmed@web.de | auf Instagram oder folgtJulia’s Buchtips.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s