„Offenheit ist angesagt. Offenheit dem anderen System gegenüber. Offenheit der anderen Interpretation gegenüber.“

Gastbeitrag von Julia Schart, PT BSc. (Flowmotion Sportsmed)

Beginner's Guide Series

Was wäre, wenn es plötzlich ein Gesundheitssystem gäbe, in dem jeder dem anderen mit Toleranz gegenüberstände? Ein System, in dem niemand seine persönlich praktizierte Therapieform als DAS Allheilmittel des Universums betrachtete. Diese Überlegung scheint nahezu einer Utopie zu gleichen, sofern man die breite Masse der medizinischen Gesellschaft beobachtet. Immer noch befinden wir uns im Jahre 2019 größtenteils in einem hierarchischen System gespickt von Dominanz und Machtgehabe verschiedenster Berufsgruppen. Egal, ob Therapeuten, Trainer, Ärzte – jeder hat scheinbar stets den Wunsch und die Gier die meiste Anerkennung und einen satten Schöpflöffel an Lob übers Haupt gegossen zu bekommen. Doch wem gebührt ehrliche Anerkennung? Meines Erachtens wird einem diese Resonanz in der Regel erst dann zuteil, sobald man in einer Art und Weise agiert, die sich vom Hauptstrom dieses Machtgefüges differenziert. Das heißt, in dem Moment, in dem Ärzte, Therapeuten, Trainer und alle anderen tragenden Akteure des Gesundheitssystems beginnen gedanklich einen Schritt zurückzutreten und ihre Synergisten mit Respekt auf Augenhöhe behandeln kann der ‘Stein der Veränderung’ ins Rollen geraten. Und das ist in der heutigen Zeit definitiv dringend von Nöten!

„Ich kenne das für mich nicht anders. Ich gehe ins ärztliche Gespräch immer hinein […] und frage mich: Was lerne ich von dem Menschen, der vor mir sitzt?“ (Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer)

Dass es dennoch derzeit auch einflussreiche Persönlichkeiten gibt, die diesem Sog mit Entschlossenheit und voller Energie entgegentreten, kann ich ganz klar bestätigen. Als ich letzte Woche auf Professor Dr. Dietrich Grönemeyer (Facharzt für Radiologie, Mikrotherapie und Spezialist für Rückenschmerzen) traf, wurde mir erneut klar, dass sich auf einer Skala von 1 bis 10 nicht nur klar abgegrenzte rationale Zahlen tummeln, sondern auch irrationale Zahlen mit unendlichen Kommastellen, um es mal metaphorisch im Sinne der Mathematik auszudrücken.

„Offenheit ist angesagt. Offenheit dem anderen System gegenüber. Offenheit der anderen Interpretation gegenüber. Offenheit beispielsweise, wenn Menschen über Yin & Yang reden.“ (Prof. Dr. Grönemeyer)

Was ich damit ausdrücken möchte ist die Tatsache, dass es für Symptom XYZ nicht immer zwingend nur DIE eine Herangehensweise gibt, sondern viele verschiedene Ansätze, die sich über Jahrhunderte bewährten, aber mittlerweile vielerorts nur noch als schnöder Humbug abgehandelt werden. Woran liegt das? An der Intoleranz der Menschheit sich „unbekanntem“ Wissen abseits des Mainstreams zu öffnen; an der schnellen Urteilsbildung und -verkündung durch Massenmedien und dem eigenen Umfeld; an der fehlenden Energie sich im ‘Wissensdschungel’ Klarheit zu verschaffen…? Diese Frage darf jeder gerne für sich selbst beantworten!

„Ja, ich fordere wissenschaftliche Forschung als langjähriger Lehrstuhlinhaber der Radiologie. Ich fordere aber gleichzeitig eine Offenheit der Diskussionen und ich fordere auch gleichzeitig die Offenheit auf beiden Seiten. Und nicht dem Vorwurf ‘des Teufelszeugs’ der Schulmedizin in Richtung traditionelle Heilweisen – und umgekehrt genauso nicht.“ (Prof. Dr. Grönemeyer)

Diese Worte treffen, meiner Ansicht nach, spürbar den aktuellen Nerv der Zeit. Selbst in einer aufgeklärten modernen Gesellschaftsschicht, wie unserer, gibt es stets Personen, die ihr Gegenüber – auf übertragener Ebene – am liebsten auf dem Scheiterhaufen verbrennen würden. Und wieso? Weil es Menschen gibt, die nicht nur blind der Masse folgen, was ihnen von universitären Hochschulen, offiziellen Bildungseinrichtungen oder vermeintlichen Edukationsoffensiven auf dem Lehr-Tablett kredenzt wird, sondern weil sie im Kontext der Gesamtheit denken.

Bereits in der„tradierte[n] Welt der Schamanen, in [der] tradierte[n] Welt der chinesischen Medizin, der ayurvedischen Medizin, der indianischen Medizin war es immer die Verbindung zwischen Körper, Kosmos, Geist und Seele, die berücksichtigt wurde in jedem Heilungsprozess. […] Und ich warne davor, dass man im Grunde lächelnd dasteht und sagt: ‘Es ist doch alles Hokuspokus. Wer hat denn jemals Meridiane gesehen?’ […] Das was Chinesen als Meridiane des Qis (der Energie) beschrieben haben sind Dinge, die wir eigentlich gar nicht mehr verstehen, was das bedeuten soll in der westlichen Welt. […] Ich glaube auch selbst gar nicht, dass es diese Bahnen sind, sondern ich glaube eher, dass es […] Verschaltungen des sympathischen Nervensystems sind, die hier zusammenkommen.“ (Prof. Dr. Grönemeyer)

 Wer hätte das gedacht, dass es unter der ärztlichen Akademikerschar habilitierte Mediziner gibt, die solche ehrlichen und offenen Worte in den Mund nehmen – ohne Reue, mit einer großen Portion Authentizität und Sympathie. Vielleicht sind es einzelne Ausnahmen, vielleicht gibt es gleichzeitig jedoch genauso viele ihrer Zunft, die sich in der Öffentlichkeit nicht trauen zu solchen Perspektiven Haltung einzunehmen, da sie sich am Anfang ihrer Karriere noch in einem System befinden, welches sanft von Hierarchie und Dominanz umschlossen ist.

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer ist vermutlich für zahlreiche Patienten, Kollegen, Therapeuten eine Art inspirierender Mentor, Ideengeber oder Wissensvermittler auf Augenhöhe, der das Gefühl widerspiegelt sein Gegenüber aufrichtig wertzuschätzen, wie ich finde.

— Um diese Prinzipien der Offenheit in sein persönliches Leben und seinen individuellen Arbeitsalltag zu integrieren ist es das beste Mittel diese Prinzipien selbst aktiv zu leben! Genau dies möchten wir mit unserem „Therapie Summit Regensburg“ dieses Jahr, am 11. Mai 2019, erreichen: nämlich Therapeuten, Ärzte, Fitnesstrainer dazu einladen, auf Augenhöhe Wissen auszutauschen, neue Sichtweisen zu erleben und interdisziplinäre Barrieren zwischen diesen Professionen abzubauen. —

Solitude is the richness of self.

726e8cf7-10d3-40b3-b4b0-85be1cd94ec4Julia Schart ist Physiotherapeutin BSc. aus Bayern. 

Sie beschäftigt sich neben der Physiotherapie mit Journalismus, Motivation, Fitness, sowie Marketing. kontaktiert sie gerne unter flowmotionsportsmed@web.de | auf Instagram oder folgt Julia’s Buchtips.

 

 

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