Kurzinterview mit Natalie Grams

Natalie Grams (* 12. April 1978 in München) ist eine deutsche Ärztin und Autorin. Sie wurde aufgrund ihres 2015 erschienenen homöopathiekritischen Buchs Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft bundesweit bekannt, insbesondere, weil sie bis dahin praktizierende Homöopathin gewesen war. Seit 2016 ist sie im Wissenschaftsrat und seit Januar 2017 Kommunikationsmanagerin der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Ferner gehört sie seit Mai 2017 dem Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung an. Seit Oktober 2017 ist Natalie Grams ehrenamtlich Vizepräsidentin des Humanistischen Pressedienst (hpd) e. V. (Quelle: de.wikipedia.org)

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Natalie Grams | Bild: Gudrun Holde-Ortner
1. PMBOS: Wer ist Natalie Grams? Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihren bisherigen Weg. 

Frau Grams: Ich bin eigentlich Ärztin, hatte dann nach meinem Studium lange Zeit eine Praxis nur für Homöopathie. Über meinen „Ausstieg“ aus der Homöopathie habe ich ein Buch geschrieben und darin die Gründe dargelegt, warum die Homöopathie heute kein Teil der Medizin mehr sein kann. Seither bin ich als freie Autorin in der Wissenschaftskommunikation und für die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften tätig.

2. PMBOS: Sie treffen sehr kritische Aussagen über Homöopathie die durchaus für Diskussionen sorgen. Was ist Ihr Standpunkt und was muss sich in der Öffentlichkeit ändern?

Frau Grams: Die Homöopathie ist beliebt – obwohl es in über 200 Jahren ihrer Geschichte nicht gelungen ist, einen Nachweis dafür zu finden, dass sie mehr als Placebo ist. Das liegt einerseits daran, dass Menschen der modernen Medizin misstrauen und sich eine Alternative dazu wünschen und auch daran, dass wir Menschen Schwierigkeiten haben, kausale und korrelierte Zusammenhänge auseinander zu halten. Ob es mir nach oder durch Einnahme von Globuli besser geht, ist ein großer Unterscheid. Darüber möchte ich aufklären. Doch viele Menschen fühlen sich dadurch in ihrem Glauben an die alte Heilslehre erschüttert.

3. PMBOS: Was ist Ihre Meinung über das deutsche Gesundheitssystem?

Frau Grams: Tatsache ist, dass es viel zu verbessern gibt. Sei es in der Pflege, der Wissenschaft in der Medizin, zunehmender Antibiotikaresistenz und der Wertschätzung des einzelnen Patienten als Mensch. Daran wird heftig und teils sehr gut gearbeitet, auch wenn es manchmal frustrierend langsam voran geht. Doch eines gilt: Medizin wird nicht besser durch falsche Heilsversprechen, die es in vielen Verfahren der sogenannten Alternativmedizin, allen voran der Homöopathie, gibt!

4. PMBOS: Was empfehlen Sie Therapeuten oder Heilpraktikern, die Interesse an homöopathischen Ausbildungen haben? 

Frau Grams: Macht das nicht! Ich selbst habe erlebt, wie man – zunächst noch skeptisch – immer tiefer in die teils wirklich sektenartigen Denkstrukturen der Homöopathie gerät und sich gegen die berechtige Kritik immunisiert. Es gibt neben Phytotherapie, Bewegungstherapien und Ernährungsberatung einige andere Verfahren, die wirklich helfen können. Dort sind Zeit und Ausbildung besser investiert. 

5. PMBOS: Sie sind Mitglied der GWUP. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Welche Aufgaben und Ziele verfolgen Sie dabei aktuell?

Frau Grams: Viele denken, „Skeptiker“ seien einfach nur gegen alles. Doch eigentlich sind wir für etwas: Wir möchten Menschen vor falschen Behauptungen schützen, die vielleicht zu Schaden führen können. Glaubt man beispielsweise, dass Homöopathie Impfungen ersetzt, dann schützt man sich möglicherweise – oder seine Kinder – nicht ausreichend gegen die wieder grassierenden Masern. Glaubt man, dass eine Hellseherin eine bessere Anlageberaterin ist als ein Finanzexperte, so kann das einen finanziellen Schaden bedeuten. Vor so etwas möchten wir als Verbraucherschützer warnen und aufklären.

6. PMBOS: Wie empfinden Sie die derzeitige Versorgungslage von chronischen Schmerzpatienten im Allgemeinen?

Frau Grams: Schmerz ist – obwohl eine häufige Krankheit – immer noch irgendwie ein Tabuthema. Das „man hält das eben aus“ ist noch in vielen Köpfen verankert. Dazu kommt eine oft überstarke Angst vor einer ausreichenden Schmerzmedikation oder der innere Schweinehund, wenn ein aktiveres Bewegen helfen könnte. Doch Schmerzen können zu einer chronischen Krankheit werden und sollten gut behandelt werden. Hier sollte auf jeden Fall noch mehr Bewusstsein – auch bei Ärzten – geschaffen werden.

 

Wir sagen herzlichen Dank an Frau Natalie Grams für dieses kleine Interview! 

 

 

Wer mehr über Natalie Grams und Ihre Arbeit wissen möchte, kann ihr in den gängigen sozialen Medien folgen, oder Ihre Webpräsenz besuchen.

www.natalie-grams.de | www.gwup.org | Twitter: @nataliegrams1

Ihre Publikationen:

Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft. Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg 2015, ISBN 978-3-662-45336-0.

Gesundheit – Ein Buch nicht ohne Nebenwirkungen. Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg 2017, ISBN 978-3-662-54798-4.

 

 

 

 

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