Physiotherapeut oder medizinisches Hilfspersonal?

Wer schon mal mit Therapeuten aus anderen Ländern gesprochen hat, erlebt manchmal kritische Blicke. 


Ich selbst habe den Satz zu hören bekommen:”Moment mal, Du hattest eine deutsche Berufsfachschulausbildung? Na dann bist Du aber kein Physiotherapeut.” Und die Leute haben vermutlich Recht. Es macht keinen Sinn sich als Land abzugrenzen und immer noch davon zu sprechen, es wäre ein Vorteil eine Physiotherapieausbildung im BFS-System zu durchlaufen. Wir müssen uns dem internationalen Standard angleichen.

Professionen haben eine klare Definition. Hier habe ich eine Auswahl der Kriterien aufgelistet und sie mit Ja oder Nein beantwortet:

Merkmale der Professionsbildung gemäß der klassischen Professionalisierungssoziologie – Abfrage des Zutreffens auf Physiotherapeuten in Deutschland:1. Standardisierte Ausbildung – NEIN

2. Herausbildung einer breit geteilten Wissensbasis – NEIN

3. Verbandsbildung und Berufspolitik zur Verfolgung und Sicherung berufsständischer Ziele sowie zur Artikulierung des Selbstverständnisses (Sicherung des Berufsstandes), – NEIN

4. berufspolitische Kanalisierung des Zugang zu Tätigkeitsfeldern (Monopolisierung, Hierarchisierung und Segmentierung von Berufs- und Erwerbsfeldern; Autonomie, Selbststeuerung, Abgrenzung gegen Laien/ Nicht-Professionellen), „Marktschließung“: die Profession selbst entscheidet darüber, wer als Anbieter auf dem Markt auftreten darf oder aufgrund fehlender Standards davon ausgeschlossen ist. – NEIN

Professionen zeichnen sich demnach durch folgende Merkmale aus: 

• selbst generiertes wissenschaftlich fundiertes Sonderwissen, spezielle Fachterminologie (Definitionsmacht für die Berufsausbildung) – NEIN

• lang andauernde theoretisch fundierte Ausbildungsgänge auf akademischem Niveau (Berechtigung zur Berufausübung gekoppelt an Examen und Titel) – NEIN 

• berufständische Normen (code of ethics) und gesetzliche Beschränkung des Eigeninteresses – NEIN

• exklusives Monopol für die Handlungskompetenz, Monopolisierung von Zuständigkeiten – NEIN

• Tätigkeiten mit gemeinnützigen Funktionen von grundlegender Bedeutung (Gemeinwohlorientierung als berufsständische „Ideologie“) -………….

• hohe Autonomie in der Berufsausübung, Selbstkontrolle der Arbeitsbedingungen (selbst generierte Standards der Leistungsbewertung und deren Kontrolle) – NEIN

• Ablehnung einer Laienkontrolle, Interessenvertretung durch einen Berufsverband – NEIN

• Definition der Anforderungen und Zugangswege. – NEIN

Physiotherapeuten mit deutscher Ausbildung und Tätigkeit in Deutschland sind mit gutem Willen eine Berufsgruppe, aber definitiv keine Profession. Denkt mal drüber nach. 

Meinungen?

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