Manuelle Therapie ist keine Fähigkeit…

“Manuelle Therapie ist nicht wirksam. ”
Ein Satz den man momentan sehr oft hört, sobald man sich mit interessierten Physiotherapeuten oder Personal-Trainern unterhält. Verschiedene Forscher und Publizisten sprechen davon, es gibt keine großartige “Fähigkeit” Manuelle Therapie anzuwenden. 
Vorab sollte man sich über den Begriff unterhalten – “Manuelle Therapie”. Im internationalen Vergleich wird er oft mit der “Manual Therapy” gleichgesetzt – was allerdings nicht gerechtfertigt ist. 
In Deutschland versteht man als Physiotherapeut unter “Manueller Therapie” hauptsächlich, ein Gelenk welches immobil war oder hypomobil ist, wieder mobil zu machen. Dies geschieht in erster Linie durch Kapseldehnungen. 
Wirft man allerdings einen genaueren Blick auf den internationalen Vergleich, so wird Manuelle Therapie eher als ein großer Bereich gesehen, den es als Einzelposten in einem Abrechnungssystem gar nicht gibt. Er integriert sich in die muskuloskelettale Physiotherapie und besteht aus einer Befunderhebung und einer vielschichtigen manuellen Behandlung, die Weichteil-Techniken und eine umfassende Patientenversorgung ebenfalls beinhaltet.
Hierzulande wird oft in Konzepten gedacht und so entsteht der Eindruck, ein bestimmtes Krankheitsbild wird nun nach den Gesichtspunkten der xy-Therapie behandelt. 
Damit wird man allerdings den individuellen Anforderungen der Patienten sehr oft nicht gerecht. 
Betrachtet doch mal Euer Patientengut. Wie viele Patienten davon sind akute Patienten, die erst seit ca. 4-6 Wochen Beschwerden haben? In meiner täglichen Praxis vielleicht 10%. Viele dieser Manuellen Therapie Konzepte sind rein auf akute Patienten ausgelegt.
Für die restlichen 90% ist ein zielorientiertes Vorgehen und eine Rückkehr zur Aktivität ein sehr wichtiger Faktor. Untersuchungen die zum Ziel haben, eine einzelne Struktur als problemverursachend herauszukristallisieren scheiden hier, alleine wegen der Dauer aus. Im Regelfall entsteht beim Patienten sogar eine erhebliche Verunsicherung, weil er den Eindruck erhält sein Körper wäre fragil geworden und Strukturen sind nachhaltig geschädigt. 
Vielleicht ist es nötig umzudenken und die “deutsche” Manuelle Therapie als Baustein in einer Reihe von Möglichkeiten zu sehen, die je nach Bedarf (!) an den Patienten angepasst und angewendet werden kann.
Desweiteren halte ich es durchaus für sinnvoll, körperliche Untersuchungen und Clinical Reasoning zu trainieren um Red Flags auszuschließen und den Patienten nicht zu gefährden. 
Ein tolles Handbuch zum Clinical Reasoning bietet David J. Magee, BPT, PhD; in seinem Buch “Orthopedical Physical Assessment” 6th Edition.
Wie ist Euere Meinung zur Manuellen Therapie?

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